| Vorsorge
ist jetzt wichtig!
Fast die Hälfte der
ÖsterreicherInnen hat bisher noch keine Maßnahmen für private
Pensionsvorsorge getroffen. "2006 werden die Prämien für
Rentenversicherungen teurer und die Konditionen schlechter" sagt
Rudolf Mittendorfer, Wirtschaftskammer Fachgruppen Obmann der
Versicherungsmakler Wiens und verweist auf die steigende Pensionslücke. Während
im EU-Schnitt 60% der Bürger eine private Pensionsvorsorge besitzen, sind
es in Österreich nur 44%. Weiters kommt hinzu, dass in Österreich nur
etwa 20% der Bevölkerung auch über eine zusätzliche betriebliche
Vorsorge verfügen, der EU-Durchschnittswert aber bei 51% liegt.
"Mit Jänner 2006 werden gleich mehrere Änderungen im Bereich
Rechnungsgrundlagen der Lebensversicherung schlagend", so
Mittendorfer.
- In der
klassischen Lebensversicherung wird die Garantieverzinsung für die
veranlagten Sparprämien von derzeit 2,75% auf 2,25% gesenkt. Diese
Zinssatzreduktion wirkt sich auf die gesamte Vertragslaufzeit aus.
- Die so genannten
Sterbetafeln werden neu aufgelegt und lösen die bisher verwendeten
(zuletzt 2000/02 oder sogar 1990/92) ab. Die gestiegene
Lebenserwartung des Einzelnen schlägt sich rechnerisch in der
Kalkulation der Renten und der Risikoprämien - etwa bei
Darlehensabsicherungen - nieder.
- Die
Versicherungs-Gesellschaften müssen ihre bis dato gleich zu Beginn
verrechneten Vertragskosten über mehrere Jahre verteilen. Dadurch verändern
sich die Rückkaufswerte.
Die Problematik
"Jede staatliche "Pensionsreform" ist in Wirklichkeit eine
euphemistische Umschreibung und bringt dem Einzelnen eine geringere
Altersversorgung," kritisiert Mittendorfer die Situation "Seit
Kurzem müssen Menschen trotz lebenslanger Arbeit und sogar nach 45
Pensionsbeitragsjahren mit teils massiven Abschlägen rechnen, wenn sie
vor dem 60. Lebensjahr die staatliche Pension lukrieren wollen. Menschen
mit hohem Aktiveinkommen haben erst recht mit schmerzhaften Einbussen zu
rechnen und müssen einen geringerem Lebensstandard im Ruhestand in Kauf
nehmen."
Private finanzielle Vorsorge wird immer wichtiger: demographische Daten
ergeben, dass es immer weniger Kinder geben wird, die das staatliche
Umlagesystem am Laufen halten.
Der private Vorsorge- und Versicherungsmarkt bietet Produkte "für
jeden Geschmack" und für alle Brieftaschen. Änderungen der
gesetzlichen Rahmenbedingungen haben eine Fülle an Produkten auf den
Markt gebracht, aus denen der Konsument schöpfen kann.
Mit der Vielfalt der Angebote ist die Transparenz verloren gegangen. Wer
kennt schon den Unterschied zwischen einer klassischen Er- und
Ablebensversicherung oder einer Dread Disease; ist einer fondsgebundenen
oder fondsorienterten Lebensversicherung der Vorzug zu geben,
Darlehensabsicherung, Risiko- oder Restkreditversicherung und zu guter
Letzt: was bringt die Zukunftsvorsorge tatsächlich für Vorteile und
welche Spielregeln sind zu beachten, dass sie nicht zur Falle wird?
Ein Milliarden-Euro-Vorsorge-Markt, bringt naturgemäß viele Jäger.
Viele wollen von diesem Kuchen naschen und der Kampf nach mehr
Marktanteilen lässt oft Opfer zurück. Besonders jene Organisationen, die
über ein breites Verkaufs- oder Filialnetz verfügen und damit Nah am
Absatz - sprich Kunden - sind, sind im Vorteil. Die Gefahr, dass dabei die
Interessen des Konsumenten auf der Strecke bleiben, ist groß.
Die Auswirkung
Lena Schaettle-Huber, selbst Mutter und langjährige, erfahrene Maklerin
sowie Presse-Sprecherin der Fachgruppe Wien stellt fest "Das Thema
Vorsorge ist in aller Munde und die Konsumenten sind und sollen für die
Notwendigkeit der eigenständigen und eigenverantwortlichen
Altersversorgung - am Besten schon von Kindesbeinen an - sensibilisiert
werden." Sie zeigt anhand von drei aktuellen Beispielen plakativ die
Auswirkungen auf:
1. Prämienersparnis bei Abschluss einer klassisch veranlagten
Rentenversicherung am 1.12.2005 statt am 1.1.2006. Mann 31 Jahre will mit
65 eine lebenslange mtl. Rente 500,00 €
- bei Abschluss 2005 125,- € p.m.
- bei Abschluss 2006 140,- € p.m.
Ersparnis: 6.120,- € an Prämien-Eigenleistung
2. Mehr Versicherungsschutz bei Abschluss einer Versicherung mit
Ablebensschutz am 1.12.2005 statt am 1.1.2006.
Mann 40 Jahre will 20 Jahre 100,- € p.m. zahlen
- bei Abschluss 2005 Ablebensschutz 25.618,- €
- bei Abschluss 2006 Ablebensschutz 24.328,- €
Mehrleistung: 5,3% höhere garantierte Versicherungssumme
3. Geringere Rentenleistung ab 2008, verkürzter Ablebensschutz und
steuerlicher Schaden > Veränderung einer bestehenden
Lebensversicherung mit dem Argument der geänderten Sterbetafeln
Ablebensschutz per 1.7.05
vor der Änderung 98.957,10 €
nach der Änderung 89.679,53 €
vorauss. Kapitalleistung 7/2008
vor der Änderung 103.825,57 €
nach der Änderung 101.330,80 €
vorauss. Rente bei Rentenbeginn
vor der Änderung 547,21 €
nach der Änderung 516,28 €
Fazit:
1. Vorsorge jetzt! Der europaweit anerkannte Pensions-Experte Prof. Bernd
Rürup hat beim Maklertag 2004 in Wien festgestellt, dass nur durch das 8.
Weltwunder, den Zinseszinseffekt, schon bei kleinen Eigenleistungen, eine
hohe Eigenversorgung zustande kommen kann. Nach Festlegung der eigenen
Ziele und Bedürfnisse muss das entsprechende Produkt am Markt gesucht und
gefunden werden.
2. Vorsorge- und Lebensversicherungs-Verträge sind langjährige Verträge.
Änderungen gehen meistens zu Lasten des Versicherungsnehmers. Ohne
fachkundige seriöse und objektive Beratung sollten bestehende Verträge
nicht verändert werden.
Basierend auf einer EU Richtlinie, wurde zum Schutz des Kunden ein
Register geschaffen, aus welchem der Konsument Klarheit über die
Rechtsstellung der Vermittler erhalten soll. (http://versicherungsvermittler.brz.gv.at)
Leider ist dieses Vermittler-Register
bislang nicht nur den Konsumenten so gut wie unbekannt, sondern auch für
Experten ein Buch mit sieben Siegeln. Eine vor wenigen Tagen von den
Versicherungsmaklern initiierte Reformkommission soll die ärgsten Mängel
beheben und für eine praxisgerechte Umsetzung der Richtlinie sorgen. |